Malen auf Reisen

Viele meiner Postkarten sind unterwegs auf meinen Reisen im Sabbatjahr entstanden. Ich habe schon im Zelt, im Restaurant, am Strand, in der Hängematte oder im Flugzeug gemalt und mein kleiner Aquarellkasten hat mich dabei immer begleitet. Mit der Zeit habe ich mein Material optimiert, sodass es zum Beispiel nicht zu viel wiegt und ich es wassergeschützt in meinen Satteltaschen am Fahrrad verstauen kann. Ich wurde immer wieder von Menschen auf das Malen auf Reisen angesprochen und gefragt, welche Farben, Pinsel usw. ich benutze.

Ich möchte euch hier deshalb gern einen Überblick über mein Material geben und freue mich über Fragen, Kommentare und Erfahrungen von eurer Seite.

Malen auf Reisen
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mein Material

Als Papier verwende ich einen Aquarell-Postkarten-Block von Guardi. 250g/m², DIN A6. Verglichen mit anderem Aquarellpapier ist dieses sehr glatt, sodass man auch gut mal mit dem Brushpen oder Fineliner darauf zeichnen kann. Außerdem sind die Karten schön stabil. Das minimiert das Risiko, dass sie unterwegs verknicken.

Mein kleiner Aquarellkasten ist von Winsor & Newton und enthält momentan die Farben: Chinesisch Weiß, Kadmiumgelb hell, Kadmiumrot hell, Alizarinkarmesin, Permanentmagenta, Ultramarin, Kobaltblau, Saftgrün, Hookersgrün, Veridian (so ne Art grünstichiges Türkis), Umbra gebrannt, Neutralfarbe (im Prinzip schwarz).

Ich male auch zu Hause nicht mit mehr Farbauswahl, sondern mische im Kastendeckel einfach alles selbst. Auch größere Näpfchen brauche ich unterwegs nicht, da ich sowieso auf kleine Formate und damit auch mit kleineren Pinselgrößen arbeite. Der Kasten hat außerdem einen guten Verschluss, sodass evtl. herumpurzelnde Farbnäpfchen auch drin bleiben, wenns mal über holprige Straßen geht.

Ich würde keine Pinsel mit Echthaar selbst kaufen, aber habe ein paar von meinem Opa quasi geerbt und ich muss leider sagen, dass die wirklich prima sind. Zu meinem Equipement beim Malen auf Reisen gehören vier Rotmarderpinsel (Größe 9, 6, 1 und ein ganz ganz feiner, bei dem sich nicht mehr ablesen lässt, was drauf steht). Sie sind alle relativ weich und ich mag es, damit flächig zu malen. Ich habe außerdem zwei Synthetikpinsel von der Marke Da Vinci dabei. Die Haare sind ein bisschen steifer und lassen deshalb das Malen von Details zu.

Die Pinsel transportiere ich getrennt von den Stiften, da die Haare sonst sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn man keine Plastikkappe zum Draufstecken hat. Neben meinem alten Schulmäppchen (ich liebs einfach)  für die Stifte hab ich mir deshalb in Namibia noch ein schönes Rollmäppchen für die Pinsel gekauft. Dieses ist aus ganz dünnem Stoff und wiegt fast nichts, schützt die Pinsel aber genug.

Als Wasserglas dient ein winziges Schraubglas (ich glaube es war mal eine Honigprobe drin oder so). Mehr braucht man wirklich nicht. Wenn grad nichts da ist, kann man das auch mal schnell mit einem Schluck aus der Trinkflasche auffüllen. Außerdem hab ich immer ein Stück größeres Papier zum Unterlegen dabei. Ich hab schon oft in Restaurants gemalt oder sogar im Flugzeug und da muss ich nicht unbedingt den Tisch vollkleksen. Das Papier kann man auch mal zum Testen der Farbe nehmen. Dann darf natürlich ein kleiner Lappen nicht fehlen um überschüssiges Wasser vom Pinsel aufzufangen. Das ist bei mir meist ein alter Socken oder ein Stück irgendeiner anderen ausgedienten Kleidung.

Oft hab ich auch noch ein kleines Fläschchen mit schwarzer Tusche dabei. Mit der Pipette kann man davon einen Tropfen in den Deckel vom Wasserschraubglas tun. Das reicht mir dann meist für eine Postkarte. Und ich liebe es einfach, mit Tusche zu zeichnen oder zu malen.

Und zu guter Letzt hab ich noch eine Auswahl meiner Lieblingsstifte im Mäppchen dabei. Dazu gehört meistens:

  • Ein ganz ganz dünner Kugelschreiber von Mark’style (mes stylos – tous les jours). Ich liebe das Ding, weil man damit normal schreiben (z.B. Reisetagebuch), aber auch gut zeichnen kann und die Mine sensibel auf Druck reagiert, wie bei einem spitzen Bleistift.
  • Ein harter Bleistift zum skizzieren mit Radiergummiaufsatz.
  • Ein weicher Bleistift für Schattierungen. Zu Hause nehme ich dafür einen Grafitstift, aber der ist mir zu schwer für unterwegs.
  • Ein weißer Acrylstift, mit dem man später Lichter setzen kann. Ich habe einen weißen Farbmarker von Poska mit einer 0,7mm Spitze und einen weißen Gelschreiber von Uni-Ball.
  • Einen Radierstift, also einen Minenhalter mit einer spitzen Radiergummimine, sodass man feinere Stellen radieren kann.
  • Ein schwarzer Brushpen von Muji, der ganz ganz weich ist und deshalb super feine Linien zulässt. Leider ist er wasserlöslich, weshalb man damit nur im Nachhinein die feinen Umrisslinien hinzufügen kann, die ich in meinen Postkarten so liebe.
  • Diverse Brushpens von Faber-Castell. Ich habe einen weichen schwarzen (black SB) und verschiedene Grautöne dabei (cold grey I, cold grey III und cold grey VI). Mit den grauen kann man toll im Nachhinein noch Schatten einfügen ohne die Aquarellfarbe zu verwischen.

Malen auf Reisen
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Aufbewahrung und Transport

Das Wichtigste für mich ist, dass alles wasserdicht verpackt ist. Vor allem beim Radeln oder Wandern kann es ja durchaus mal regnen. Auch wenn meine Rucksäcke und Satteltaschen wasserdicht sind, möchte ich das Risiko nicht eingehen, dass die kleinen Malereien kaputt gehen. Folgendes hat sich für mich bewährt:

Die fertigen Postkarten passen gut in einen extra Zipper-Beutel, den man in der Drogerie oder im Supermarkt bekommt. Das Wasserglas leere ich möglichst immer aus, bevor ich es einpacke. Bei der Tusche achte ich darauf, dass das Fläschchen gut zugedreht ist. Theoretisch könnte man das auch nochmal in einen Zipper-Beutel tun. Alles zusammen (inklusive Mäppchen, Zeichenblock, Lappen usw.) tue ich dann in eine Tasche, sodass ich mit einem Griff alle meine Malsachen dabei habe und nicht erst suchen muss. In letzter Zeit ist das ein Beutel von Avène, der wohl eigentlich mal für nasse Bikinis nach dem Baden gedacht war. Der hat die perfekte Größe, einen Reißverschluss und innen ist eine Folie eingenäht. Ob der einem richtigen Regenschutt standhält, habe ich aber noch nicht ausprobieren müssen. Alternativ hab ich auch schon einen wasserdichten Beutel von Sea To Summit benutzt (4 Liter). Der hat so einen Rollverschluss und ist damit absolut sicher, weshalb ich ihn auf den Radreisen oder beim Zelten am liebsten benutze.

Wenn ich mir die Postkarten des Sabbatjahres ansehe und insbesondere die, die ich unterwegs gemalt habe, weiß ich zu jeder Karte eine Geschichte zu erzählen, kenne einen Ort, eine Situation oder eine Person, die mich inspiriert haben. Zu Hause ist es manchmal schwierig, immer wieder neue Ideen und Motive zu finden, wenn man in seinem Alltagstrott gefangen ist. Ich genieße auf Reisen den Prozess, sich tagsüber schon Gedanken zu machen, was abends auf die Karte kommt, weil ich dabei meine Umgebung viel genauer beobachte und bei Gesprächen intensiver lausche. Ich kann deshalb jedem empfehlen, im nächsten Urlaub mal etwas Papier und Stifte mitzunehmen.

Und dann freue ich mich, wenn ihr eure Ergebnisse und Erfahrungen mit mir teilt.

Bis dahin viel Spaß beim Malen unterwegs. Eure Tine

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